Verhüten ohne Hormone – ein Plädoyer für einen natürlichen Zyklus

Hormonelle Verhütung kann über verschiedene Mechanismen wirken: Über synthetische Hormone kann der Eisprung unterdrückt und die Funktion der Eierstöcke lahmgelegt werden, der Schleimpfropf am Muttermund wird eingedickt und die Schleimhaut der Gebärmutter wird in ihrem Aufbau verändert, so daß sich keine befruchtete Eizelle einnisten kann. In welcher Form auch hormonelle Verhütung angewendet wird, als Pille, Mini-Pille, Verhütungsring, Pflaster, Implantat, Spritze oder Hormonspirale, sie verändert Körper oder ersetzt den eigenen Zyklus komplett durch einen medikamentösen Standardzyklus. Das ist sehr schade, denn unser natürlicher Zyklus  mit seinen Anzeichen, wo wir uns gerade im Tanz der Hormone befinden, ist in der Naturheilkunde ein wichtiger Ausdruck der Selbstregulation des weiblichen Körpers.

Der Zyklus spricht eine Sprache

In der chinesischen Medizin hat die Gebärmutter den wunderschönen Namen: „außerordentliches Palastorgan“. Während alle anderen Organe des Bauchraumes ihren eigenen Meridian haben, ob Leber, Gallenblase, Dick- oder Dünndarm; die Gebärmutter, der Palast, in dem unsere Kinder heranwachsen können, hat ihre eigenen Gesetze. Im Verlauf eines jeden Zyklus fließt die Energie durch verschiedene Elemente, idealerweise in einem harmonischen Ablauf. Die Mens selber wird durch das Wasser und den Nierenmeridian regiert, die Phase vom Ende der Mens bis zum Eisprung ist der Erde und dem Milzmeridian zugeordnet und die Phase zwischen Eisprung und der nächsten Menstruation dem Element Holz und dem Lebermeridian. Auch in der abendländischen Tradition sind die verschiedenen Zyklusphasen mit ihrer jeweils sehr eigenen Energie ein Ausdruck von Gesundheit einer Frau in ihren fruchtbaren Jahren. Treten in einer Zyklusphase Probleme auf, ist dies für die Therapeutin häufig ein Hinweis, wo der Körper einer Frau Unterstützung möchte und an welchen Stellen die Selbstheilungskräfte gezielter Anregung bedürfen. Die kann über Ernährung, Heilpflanzen, Homöopathie, Hormonyoga oder andere Naturheilverfahren geschehen. Auch können Zyklusstörungen Hinweise geben, ob sich nicht seelische Bedrückungen melden. Dr. Christiane Northrup hat schon vor Jahren so schön beschrieben, das ein Prämenstruelles Syndrom, eine energetische Blockand in der reflexiven, nach innen gekehrten Phase des Zyklus, auch als ein Weckruf der Seele verstanden werden kann, genau hinzuhören ob Bedürfnisse der Frau nicht gelebt werden.

Verschiedene Frauen haben verschiedene Wünsche an ihre Verhütung

Es ist sehr schön, mittlerweile eine ganze Reihe an gut verträglichen, den Körper nicht störenden Methoden zu haben, die den eigenen Zyklus und die Körperrhythmen fließen lassen.
Mit der natürlichen Familienplanung (NFP), lassen sich die fruchtbaren Tage über die Messung der Morgentemperatur in Kombination mit der Auswertung von Körperzeichen, sehr sicher identifizieren. Dabei werden Frauen ganz nebenbei zu Expertinnen für ihren eigenen Körper. Wer nicht auf Verkehr an den fruchtbaren Tagen verzichten möchte, kann entweder auf ein Kondom oder Diaphragma zurückgreifen. Moderne Diaphragmen, die jetzt hypoallergen sind, in Kombination mit spermienhemmenden, biologischen Gelen auf Milchsäure oder Zitronensäurebasis erreichen erstaunlicherweise in der Gebrauchssicherheit (standard use) die gleiche Sicherheit wie die Pille. Die Kombination mit NFP ist wenig wissenschaftlich erforscht, ist aber in der Erfahrung sehr effektiv, wenn Frauen ihren Körper gut kennen und wissen, wie sie die Verhütungsmethoden anwenden. Natürlich kann das Diaphragma auch den ganzen Monat über als einzige Verhütung eingesetzt werden.
Wer den eigenen Zyklus spüren möchte, aber eine Methode wünscht, die von der Sexualität abgekoppelt ist und maximale Spontanität ermöglicht, wird meist bei den modernen intrauterinen Methoden fündig. Verschiedene Modelle von Kupferspiralen, Kupferkette oder Ball können heute mittels vaginalen Ultraschalls der Gebärmutter angepasst werden, so das Menstruationsschmerzen und stärkere Blutungen nur noch selten auftreten.
Für die verschiedenen Bedürfnisse und Lebensphasen gibt es eine ganze Bandbreite an hormonfreien Verhütungsmethoden, die auch den positiven Effekt haben, Zyklusstörungen nicht zu verschleiern. Gerade wenn Frauen zwar nicht jetzt sofort, aber später gerne, Kinder hätten, ist es ein großer Gewinn, zu spüren, wenn der Zyklus nicht ganz rund läuft.
Gastautorin Dr. Med. Dorothee Struck
Fachärztin für Frauenheilkunde, Ärztin für Naturheilverfahren
www.frauengesundheit-kiel.de
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